© Gerd Neuhold, Sonntagsblatt

Gerd Neuhold, Sonntagsblatt

Integration: Eine willkürliche Obergrenze hilft nicht weiter

Stellungnahme von Erich Hohl zu einem Essay von Hans Winkler in der Kleinen Zeitung

"Ohne Obergrenzen kann Integration nicht gelingen", hat Hans Winkler am 27.12.2016 in der Kleinen Zeitung in einem Essay ausgeführt. Als Reaktion hat der diözesane Integrationsbeauftragte und KA-Generalsekretär, Erich Hohl, dem Chefredakteur der Kleinen Zeitung, Hubert Patterer, einen Brief geschrieben. Nachdem die Kleine Zeitung diesen Brief am 29.12.2016 veröffentlicht hat, wird der Inhalt auch hier dargestellt:

Es ist erstaunlich, welch breiten Raum die Kleine Zeitung zum wiederholten Mal einem Essay von Hans Winkler widmet, um wichtige Fragen betreffend notwendige Integrationsmaßnahmen in einer einseitigen Sichtweise besserwisserisch darzustellen und Menschen und Einrichtungen, die nach Kräften helfen, in ein schiefes Licht zu rücken.

Menschen zu helfen, die bei uns Zuflucht suchen, das können wir uns nicht nach Gutdünken aussuchen. Das Zusammenleben in Vielfalt ist für unsere Gesellschaft eine „Überlebensfrage“ geworden. Recht verstandene Integration zielt auf den Abbau von Benachteiligungen und die Schaffung positiver Lebensbedingungen für alle in der Gesellschaft. Gelingende Integration braucht faire Chancen zur sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Teilhabe. Klar ist, Integration ist keine Einbahnstraße – Integration verändert die Gesellschaft. Es gibt in der Tat viele Herausforderungen, die besonnen bearbeitet werden müssen. Leider fehlen dazu weitgehend klare Konzepte und Maßnahmen der Regierung und der politisch Verantwortlichen, um vorhandene Problemstellungen zu reduzieren bzw. in eine bewältigbare Bahn zu bringen.

Es ist naiv zu glauben, dass wir uns in einigen kleinen Teilen der reichen Welt ein Paradies (nur für uns) erhalten können. Das Schicksal der Flüchtlinge und jener, die dauerhaft bei uns bleiben werden, fordert uns heraus, ohne Wenn und Aber. Es braucht die Kräfte vieler, um die großen Integrationsherausforderungen langfristig gut zu bewältigen. Eine willkürlich gezogene Obergrenze im Kopf und im Herz wird nicht hilfreich sein.

Erich Hohl (Integrationsbeauftragter der Diözese Graz-Seckau)