© KandidatInnen zur EU-Wahl 2019. Foto: Sonntagsblatt, Gerd Neuhold

KandidatInnen zur EU-Wahl 2019. Foto: Sonntagsblatt, Gerd Neuhold

Podiumsdiskussion am 25. April 2019

Ökologie und Ökonomie in der EU

Rund 150 Personen versammelten sich im Grazer Franziskanerkloster, um - auf Einladung der Katholischen Aktion und des Fonds für Arbeit und Bildung - den steirischen EU-KandidatInnen bezüglich Umwelt und Wirtschaft "auf den Zahn zu fühlen".

 

EU Wahl 2019: Ökologie und Ökonomie im Fokus

Die europäische Idee ist der Kirche ein Anliegen. Dahr luden die Katholische Aktion Steiermark und der diözesane Fonds für Arbeit und Bildung anlässlich der EU Wahl im Mai 2019 die steirischen KandidatInnen zu einer Podiumsdiskussion am 25. April ins Grazer Franziskanerkloster ein. Die Veranstaltung mit dem Titel „EU Wahl 2019 – Ökologie und Ökonomie im Fokus“ bot den WählerInnen die Möglichkeit, die KandidatInnen und ihre Standpunkte zum Umgang mit dem Klimawandel zu hören. Gleichzeitig war die Veranstaltung aber auch eine Möglichkeit, Anliegen und Sorgen der WählerInnen bei den eventuellen zukünftigen EU-Abgeordneten zu deponieren. 

Grußworte von Anna Hollwöger, Katholische Aktion Steiermark, und Peter Hochegger, Fonds für Arbeit und Bildung, eröffneten den Abend.

Als thematische Hinführung gab der Dechantskirchner Pfarrer Wolfgang Fank, bekannt durch sein Engagement für Schöpfungsverantwortung und vielfacher Preisträger, den Zuhörenden "Zund" mit seiner eindringlichen Analyse der weltweiten Situation. Ruhig und präzise schilderte er die zahlreichen Fehlentwicklungen und nahm sowohl die politisch Verantwortlichen, als auch die Medien und die gesamte Bevölkerung in die Pflicht. Drei zentrale Forderungen gab er uns mit auf den Weg:
> Sach- statt Parteipolitik
> Eine sozial verträgliche ökologische Steuerreform
> Neugestaltung von Mobilität

Anschließend diskutierten miteinander und mit dem Publikum:

Landtagspräsidentin Bettina Vollath, SPÖ
Simone Schmiedtbauer, ÖVP
Thomas Waitz, Grüne, Abg. zum EU-Parlament
Gabriele Faller, Europa JETZT
Christian Promitzer, KPÖ plus

Lukas Lercher, NEOS (in Vertretung von Stefan Windberger)
Armin Sippel, FPÖ (in Vertretung von Georg Mayer)

Der über weite Strecken auffallend konstruktive Austausch, und die im EU-Parlament grundsätzlich notwendige Fähigkeit zu Kooperation und Kompromiss (Th. Waitz) gaben und geben zu Hoffnung Anlass!
Danke an alle Teilnehmenden und die interessierte Zuhörerschaft!

Moderator und Kleine Zeitung- Chefredakteur Ernst Sittinger schildert in seiner "Morgenpost" vom 26. April seine Eindrücke:

"Beehrte europäische Mandanten, Urnengänger, Kreuzerlmacher und Vorzugsstimmenverschenker! 
Es sind die Wochen der EU-Podiumsdiskussionen: Die Kandidaten ziehen durchs Land, treffen einander fast allabendlich zu öffentlichen Wortgefechten. Wir Journalisten sind häufig dabei, als Berichterstatter, Beobachter, Moderatoren.
So auch gestern Abend in Graz. Die Katholische Aktion hat ins Franziskanerkloster geladen, die Kandidaten von sieben Listen sitzen auf der Bühne. Zu Beginn spricht der Pfarrer von Dechantskirchen. Es geschieht das Unerwartete: Mit jedem Wort mehr zieht der freundliche Geistliche die Zuhörer in seinen Bann. Denn er liest, zunächst verhalten und fast beiläufig, uns allen die Leviten.
Der Pfarrer spricht und spricht. Er malt, unterfüttert mit penibel angesammeltem Zeitungswissen, unerbittlich und unablässig ein großes Landschaftsbild des ökologischen Versagens: Bodenversiegelung, Stromverbrauch, Flugreisen, Verkehrs- und Konsumwahnsinn, Plastikmüll. Er benennt die Folgen: Artensterben, Klimawandel, Tierleid, verseuchte Meere. Und er fordert konkretes politisches Handeln: CO2-Steuer, Kerosinsteuer, kilometerabhängige PKW-Maut. Kurzum: Eine „Greta 2.0“ steht da vor uns, versehen mit zumindest niedrigen Weihen.
Betroffene Stille, dann tosender Applaus im Saal. Die Politiker lassen ihre üblichen Worthülsen und Giftpfeile im Köcher. Der Pfarrer hat sie herausgefordert, und jetzt sind sie bereit, ihr Blatt auf den Tisch zu legen. Man formuliert gemeinsam Lösungsansätze, wägt ab, setzt sich mit den unterschiedlichen Zugängen auseinander, geht aufeinander ein. Ja, man gibt einander sogar fallweise recht. Am Ende streckt einer spontan die Hand aus, um einer Konkurrentin zu ihren Worten zu gratulieren.
Hat man selten gesehen, so ein luzides Intervall. Plötzlich war da eine leichte Ahnung, dass noch nicht alles verloren ist. Dass womöglich doch etwas Konstruktives gelingen könnte im politischen Betrieb. Sie hätten es drauf, wenn sie wollen.
Vielleicht wars auch nur der genius loci. Dann sollten wir unsere Politiker öfter ins Kloster stecken."

Herzlichst
Ernst Sittinger
ernst.sittinger@kleinezeitung.at 

 

 

(Eine ausführlichere Berichterstattung folgt).

 



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